Beitrag zum Thema Ausbeutung
Die nun folgenden Sätze halte ich für die wichtigsten und es liegt mir sehr viel daran, sie niederzuschreiben. Früher hatte ich nie großes Verlangen, Amerika zu besuchen. Erstens, wegen des Unrechts, dass den Ureinwohnern dort angetan wurde und zweitens wegen seiner kapitalistischen Gedanken zum Thema Ausbeutung und Wirtschaftsform, die in andere Länder, z.B. Chile rücksichtslos exportiert wurde. (11. September 1873 der Sturz Aliendes)
Alle Reformen Allendes wurden mit amerikanischer Hilfe durch Pinochet augenblicklich beendet. Die Leidtragenden waren das chilenische Volk und unzählige Gefangene, sowie die zu Tode Gefolterten, darunter ein bekannter Musiker, Victor Jara.
Wie ist die Situation in unserem eigenen Land? Hat sich seit der Wiedervereinigung wesentliches zum Positiven verändert oder werden im krassen Gegensatz nur noch mehr Menschen durch immer straffer werdende Produktionsprozesse jeden Tag verheizt?
Es wäre eine Studie für sich, ein Anwachsen des Burn-Out-Syndroms während der letzten Jahre nachzuweisen. Man ist schnell mit der gängigen Meinung zur Hand: "Diese Arbeitslosen, das sind doch alles bloß Sozialschmarotzer! Die müssen erst mal richtig arbeiten lernen, anstatt sich auf ihrer faulen Haut jeden Tag auszuruhen!“
Aber sehen wir uns Arbeitslose einmal näher an, werden wir entdecken: die wenigsten akzeptieren ihren tiefen sozialen Abstieg, im Gegenteil – sie leiden spürbar an gesellschaftlicher Ausgrenzung und wollen gern in ihrem früheren Beruf weiterarbeiten, aber es gibt einfach zu wenige Arbeitsplätze für alle.
„Ist das von unserem System so gewollt?“ frage ich mich. „Müssen sich einige in Zukunft bis 67 oder sogar 70 täglich zur Arbeit schleppen, während die anderen eine Anstellung bitter nötig hätten?“
Natürlich existieren auch jene, die aus Protest gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen lieber daheim bleiben und evtl. schwarz ihr Einkommen aufbessern.
Wie wäre es, wenn wir gemeinsam aufstehen und uns lebenswerte Bedingungen erkämpfen? Nicht umsonst streiken viele Berufssparten. Ende der 80er Jahre im Sudan sah ich, wie die wirtschaftlichen Verhältnisse ständig bergab gingen. Die Mutter einer Nachbarsfamilie bestätigte mir: „ Vor einigen Jahren kamen wir mit dem Gehalt meines Mannes gut aus, jetzt reicht das Geld gerade mal bis zur Monatsmitte.“ Ich dachte: „ Hoffentlich kommt solch eine Situation nie bis zu uns!“
Heute wissen wir, wenn wir nach Südeuropa schauen – die Krise ist längst bei uns angekommen.
So behaupten einige Wissenschaftler : „Es gibt genug Lebensmittel für alle. Das Problem liegt nur in gerechterer Verteilung.“ Der Gedanke, Eltern und ihre Kinder sterben, weil sie im falschen Land geboren wurden, ist unerträglich.
Helfen wir ihnen wirklich, indem unsere Produkte in Afrika verkauft werden? Ganz im Gegenteil- der einheimische Markt wird gestärkt, wenn sie selber das was sie herstellen, verkaufen können. Als Folge kommen weniger Flüchtlinge über das Mittelmeer zu uns.
Montag, 21. November 2016
Montag, 24. Oktober 2016
Ergänzung zum Thema Ausbeutung
Stevie Wonder wünschte sich zum 65. Geburtstag:
Schreibt alle Love-Songs!
Ist das die Lösung? Laßt uns gemeinsam überlegen, wie wir alle auf unserem Planeten gut leben können? Im Zeitalter der globalen Vernetzung ist das keine Schwierigkeit!
Hier ein Vers aus Epheser 5.2:
Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Stevie Wonder wünschte sich zum 65. Geburtstag:
Schreibt alle Love-Songs!
Ist das die Lösung? Laßt uns gemeinsam überlegen, wie wir alle auf unserem Planeten gut leben können? Im Zeitalter der globalen Vernetzung ist das keine Schwierigkeit!
Hier ein Vers aus Epheser 5.2:
Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Mein Umzug vom Südschwarzwald 2004
Bei gutem Wetter sah ich von meinem Arbeitsplatz als Krankengymnastin direkt auf die Dächer von Basel, weil das Kandertal, in dem die Klinik lag, nach Süden hin geöffnet vor mir lag.
Die Kurklinik thronte sehr malerisch mitten auf einem Berg. Im Winter, wenn der Schnee in dicken Flocken vom Himmel fiel, verwandelte sich die dicht bewaldete Berglandschaft in eine märchenhafte Kulisse.
Eines Tages, es war im Sommer 2004 in meiner Pause , ich telefonierte gerade mit meiner Tochter in Hof/ Bayern, doch plötzlich hörte ich ein gewaltiges Grollen, welches sich stetig zu nähern schien.
Zuerst dachte ich an ein Gewitter, aber das vermeintliche Donnergrollen ertönte pausenlos. Immer nur dieses krachende, polternde Geräusch, welches mich langsam beunruhigte. Mitten im Grübeln klappte plötzlich die Zimmertür hin und her! Gleich darauf kippte ich urplötzlich in meinem Sessel vor und zurück und dann knallten auch schon die Fenster auf und zu. Jetzt erst begriff ich: das ganze Haus wurde soeben von einer Erdbebenwelle erschüttert. Bevor ich mich recht besann, war der Spuk auch schon vorbei. Das Klinikgebäude hatte dem Beben Gott sei Dank standgehalten, aber alle Kurgäste rannten in Panik auf die Flure, wo sie eine Krankenschwester sofort beruhigte: „ Gehen Sie bitte zurück auf Ihre Zimmer, solche Erdbeben kommen hier öfters vor, kein Grund zur Sorge!“ Darauf beruhigten sich wirklich alle und kehrten zur Tagesordnung zurück. Aber bis jetzt fühle ich, wenn ich an diese Schreckminuten zurück denke, den Schock in meine gesamten Glieder fahren.
Damit aber nicht genug. Bei meinem Umzug, zurück nach Franken in Nordbayern, ereignete sich die nächste Angstattacke. Meine Tochter Jasmina legte eine kleine Arbeitspause ein und hatte so Zeit, mir beim Umzug zu helfen. Mit dem geräumigen Auto ihres Freundes kam sie, um mir beim Umzug zu helfen und meine Sachen abzuholen. Auf der Strecke zwischen München und Stuttgart, wir brausten mit gerade mal 150km/h auf der linken Spur und unterhielten uns angeregt, als wir beide zufällig gleichzeitig nach vorne sahen und die Rücklichter des Wagens vor uns in rasenter Geschwindigkeit näher kamen: Hanina trat reflexartig das Bremspedal voll durch, doch in den folgenden Sekunden schien der Wagen noch Ewigkeiten weiter und weiter zu rutschen. Vor meinem inneren Auge sah ich uns schon mit voller Wucht aufprallen, nur noch wenige Meter trennten uns vor dem Wagen vor uns, obwohl wir bestimmt schon 150m bremsend zurückgelegt hatten. Überholen war in diesem Augenblick nicht möglich, links wären wir in die Leitplanke gerast und auf der rechten Spur war keine Lücke zum einscheren frei.
Ich sandte im allerletzten Moment ein Stoßgebet zu Gott, und plötzlich fasste die Bremse endlich.
Wir kamen nur ein paar Zentimeter vor der Stoßstange des vorderen Wagens zum Stehen. In diesem Auto mit gelbem Kennzeichen saßen zwei ältere Frauen, die sich in aller Ruhe die Landschaft ansahen.
Der nächste Parkplatz war unserer.Wir stiegen mit zitternden Knien aus. Als erstes dankte ich unserem Gott, hatte er doch schlimmen Schaden von uns abgehalten. Das geliehene Auto konnte Jasmina ohne eine Beule ihrem Freund zurückgeben. Zum Glück sind wir nicht mit ihrem Auto gefahren, denn es besaß weitaus schlechtere Bremsen.
Motivation für mein Schreiben
In jüngeren Jahren suchte ich, wie andere Menschen auch, nach dem Sinn des Lebens. Was ich dabei auf verschlungenen Wegen fand, davon handeln diese Lebensgeschichten; und weil ich oft Außergewöhnliches erlebte, möchte ich es der Nachwelt erhalten.Wie ein Puzzle fügt sich dabei ein Teil zum Anderen. Größtenteils stand ich dem Leben optimistisch gegenüber.“Irgendwie geht´s immer weiter“ sagte ich mir, auch wenn die Zukunft gerade mal wieder weniger rosig aussah.
So blieb es bis heute.
Allerdings bereue ich manche Dinge getan zu haben.
Wenn ich die Zeit noch mal zurück drehen könnte, hätte ich mich aus der heutigen Sicht bestimmt manches Mal anders entschieden, aber diese Erfindung gibt es außer im Film, in der Dichtung und in unseren Gedanken leider noch nicht.
Und somit schreibe ich alles einfach so auf, wie es passierte.
Alles beginnt ganz harmlos mit einer Reise zum Atlantik
Früh morgens, als wir die Gegend vor der Küste erreichten, umhüllte sie ein durchscheinendes Hellblau, was mich sofort an Asterix und Obelix erinnerte. Wenn ich daran denke, ist es gleich wieder gegenwärtig. Dort ragte jede Menge Steilküste empor. Also nichts mit herrlichem Sandstrand wovon ich geträumt hatte. Eines Tages, es war etwas stürmisch, kletterte ein Bekannter mit mir zum Wasser hinunter. Wir wollten uns die heranrollenden Wellen anschauen und standen nebeneinander auf einem kleinen Felsvorsprung, welcher über und über mit Seepocken bedeckt war. Plötzlich kam eine größere Welle auf uns zugerollt, hob mich etwas hoch und dann rutschte ich ab ins Meer,vorher mit meinem Steißbein aber noch schön über die Seepocken hinweg. Es schmerzte einige Tage lang.
Zuerst fand ich mich hilflos im Wasser treibend wieder, aber glücklicherweise konnte ich mich auf einen kleinen Felsvorsprung retten.
Ich holte schnell tief Luft und wurde schon von der nächsten Welle überspült. So schwappten mehrere große Sturzbäche von Wassermassen über mich hinweg. Jedesmal klammerte ich mich so fest ich konnte an die Felsspitze.
Bein Bekannter wollte anscheinend eine größere Welle abwarten, die mich wieder ans Ufer zurück trägt.. Plötzlich schrie er mir zu:“Spring!“ Im nächsten Moment fischte er mich Gott sei Dank aus dem Meer und ich spürte endlich festen Boden unter meinen Füssen.
Als ich mich noch an dem Felsen festklammerte, sah ich weit draußen einen Dampfer, und mir kam die seltsame Idee, dort hin zu schwimmen, sei näher als zur Küste zurück..
Ich erinnere mich auch noch an eine Nacht, welche empfindlich kalt war. Die drei anderen schliefen wohlig in ihren Schlafsäcken. Nur ich konnte vor Kälte zitternd nicht einschlafen weil mein Schlafsack an manchen Stellen sehr dünn war. Nicht weit von mir entfernt stand eine Flasche mit Alkohol. Ich nahm dreimal einen großen Schluck und schlief dann erstaunlich schnell ein.
Ich kann mich auch erinnern, wie uns ein Bauer von seinem Feld ein paar Artischocken schenkte, die wir im Wasser gar kochten.
Eines Abends spazierte ich mit einem anderen Bekannten über die benachbarten Kuhweiden. Irgendwie fanden wir den Weg nicht wieder zum Zelt zurück und übernachteten an einem Baumstamm sitzend. Zum Glück näherten sich uns einige Kühe in ganz friedvoller Absicht.
Morgens stellten wir fest, dass wir nur circa 100m vom Zeltplatz entfernt saßen.
Auf der Rückfahrt nach Deutschland stritt ich mit dem, der den Bus fuhr, so heftig, dass er mich, es hätte nicht viel gefehlt, an einer Autobahnraststätte rausgeschmiß.. Es war der gleiche, welcher mich ein paar Tage zuvor aus dem Meer fischte. Er war übrigens Lehrer an einer Abendschule in Berlin, auf der ich gerade das Abitur nachholte.
Ich fuhr also nicht mit zurück nach Berlin sondern ließ mich in Hof an der Saale absetzen, um meine Mutter zu besuchen. Ich wollte in ihrem Haus übernachten und am nächsten Tag meine Reise mit dem Zug fortsetzen. Doch leider musste ich feststellen, dass meine sämtlichen Verwandten in Richtung Südtirol ausgeflogen waren. Meran ist der Geburtsort meiner Mutter und sie reiste ab und zu im Sommer dorthin. Nur mein Schwager blieb mit seiner Mutter und einem Neffen daheim. Die wohnten zu dieser Zeit im Erdgeschoss.
In diesem Haus sollte mir etwas, was ich Tage zuvor am Atlantik träumte, in echt begegnen: in dem Traum sah ich mich einem Mann mit feuerrotem Haar gegenüber, danach träumte ich, dass ein jüngerer Mann die Treppe zum ersten Stock hinaufstieg und zum Schluss sah ich ein Zimmer, in dem ein Bild von der Wand heruntergefallen war.
Jetzt zum eigentlichen Geschehen: als ich an der Haustür klingelte, öffnete mir mein Schwager. Er erzählt mir, meine Familie sei wiegesagt nach Süden aufgebrochen. Es begann Nacht zu werden und er führte mich in das Wohnzimmer meiner Mutter, der das Haus gehörte.
Dort saß ich mit meinem Gepäck samt Schlafsack und hätte ich geahnt, was mir gleich noch bevorstand, würde ich die Fahrt nach Berlin sicher nicht unterbrochen haben.
Mir fiel als erstes auf, dass das Glas der Zimmertür zersprungen war, als hätte jemand heftig dagegen geschlagen. Erst später erfuhr ich von meinen Verwandten: "Der Karl hat sie in einem Wutanfall zertrümmert."
Kurz darauf erschien dieser Mann und forderte mich ganz direkt auf, mit ihm in sein Schlafzimmer zu gehen. Ich erinnerte mich jetzt, wie er mich bei früheren Besuchen förmlich angeglotzt hatte. Ziemlich geschockt antwortete ich:“Nein, ich ziehe es vor, hier alleine in meinem Schlafsack zu übernachten!" Um meinen Worten Nachdruck zu verleihen, legte ich mich demonstrativ dort hinein und zog den Reißverschluss bis unters Kinn hoch. So lag ich eigepackt da wie eine Mumie, unfähig mich zu wehren als er sich mit seinem ganzen Gewicht auf mich legte und sofort anfing mich zu würgen. Mein erster Gedanke, der mir in dieser ziemlich auswegslosen Situation in den Sinn kam, richtete sich an meinen Sohn:“Wahrscheinlich werde ich dich nicht mehr wiedersehen.“ Inzwischen hatte mein Widersacher seinen eisernen Griff gelockert und mir so ermöglicht, ein wenig Luft zu schnappen. Als nächstes dachte ich an meine Mutter :“ Du kannst mir jetzt nicht helfen.“ Sie war ja in Meran, da hätte noch so lautes Schreien nichts genutzt. Ich sah das offene Fenster und dachte:“Wenn ich ein kleiner Vogel wär, könnt ich entfliehen.“ Aber in der Realität bestand diese Möglichkeit genauso wenig.
Gleichzeitig überkam mich große Angst:“Was passiert wenn er seinen Griff nicht mehr lockert?“ und sah mein Ende buchstäblich vor mir. Ich hörte wie auf der Straße gegenüber ein Auto hielt, dem fröhlich schwatzende Leute entstiegen und deren Stimmen sich sogleich entfernten. Sie gingen in das gegenüberliegende Haus. Wahrscheinlich kamen sie von einem geselligen Abend. Wenn die wüssten in welch einer gefährlichen Lage ich mich befand, nur ein paar Meter entfernt! Aber auch diese Menschen konnte ich nicht zu Hilfe rufen.
Ich fühlte, dass mir nicht mehr viel Zeit bleiben würde und ich richtete meinen allerletzten Gedanken an Gott, meinen Vater: „Bitte, Herr, hilf mir, steh mir bei im Namen Jesu.“ Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, hörte ich jemanden die Treppe herauf kommen. Sofort ließ er von mir ab, stand auf und ging aus dem Zimmer.
Wenig später kam er zurück:“ Entschuldige bitte, es tut mir leid, was ich soeben getan habe.“ Das waren seine letzten Worte, die er an dem Abend an mich richtete. Ich schloss mich vorsorglich für die Nacht in einem anderen Zimmer ein. Hier fand ich ein Bild, welches von einem Nagel auf das Wandregal herabgefallen war. In diesem Moment hatte ich meinen Traum von der Atlantikküste wieder glasklar vor Augen. Sollten die roten Haar meinen in Wut geratenen Schwager symbolisieren? Dass nach meinem Gebet jemand wie im Traum vorhergesehen die Treppe emporstieg, rettete mir wahrscheinlich das Leben. Meine Halbschwester ließ sich kurze Zeit später von meinem Schwager scheiden. Dabei half ihr der Brief, welchen ich ihr von Berlin aus schrieb. Meinen Peiniger sah ich, Gott sei Dank, nie wieder. Er verstarb in der Folgezeit.
Seit damals beschäftigt mich ständig ein Gedanke:“ Wie hängen Traumwelt und Wirklichkeit zusammen? Wer außer Gott kann wissen, was in der Zukunft passiert?“ Dass ich über besondere hellseherische Fähigkeiten verfügen sollte, glaubte ich nicht.
Jahre später, ich bekam zwei Töchter und lebte nun selbst in Hof an der Saale. Eines Tages stand eine Frau von den Zeugen Jehovas an der Tür. Sie schenkte mir ihre Bibel. Es dauerte eineinhalb Jahre bis ich sie gelesen hatte. Eine Stelle fand ich, in der ein Mann Gott bat, ihm seine Existenz zu beweisen. In der darauf folgenden Nacht erlebte der Mann im Traum die Ereignisse welche, sich am Folgetag zutragen sollten. Was war seine Schlussfolgerung? Nur Gott kann in die Zukunft schauen. Also hatte er ihm diesen Traum geschickt. So stand es in der Bibel.
Ich hatte die Antwort auf meine Frage gefunden. Ich blieb zwar bei meinem evangelischen Glauben und entschied:- meine Hilfe steht im Namen des Herren, welcher Himmel und Erde gemacht hat. Dann bechloss ich, der Welt von seinen wunderbaren Werken zu berichten, und meine Tochter Mia bestärkte mich immer wieder darin, der ich als erste diese Geschichten erzählte.
Dienstag, 13. September 2016
Unsere Flucht von Ost nach Westberlin
Als ich in Ost-Berlin zur Grundschule ging, war mein Leben zweigeteilt. In der Schule trug ich ein blaues Halstuch und führte eine Strichliste, welche anderen Schüler es auch umbanden. Diese Aufgabe erfüllte ich mit Widerwillen, denn sobald ich zuhause ankam, flog das Stück Stoff in die hinterste Ecke. Unsere Familie war westlich orientiert, wir sahen im Fernsehen regelmäßig das Westprogramm. Mein Vater wohnte zu dieser Zeit nicht mehr im Fichtelgebirge, sondern er zog zur Schwester meiner Stiefmutter in den Wedding nach West-Berlin.
Privat standen wir also dem Westen näher als dem Ost-Regime, dass sich meiner Meinung nach viel zu sehr in unser Leben einmischte. Unfreiheit und Bespitzelungen, die schon während der Schulzeit stattfanden, bedrückten mich stark. Es kam zum Beispiel häufig vor, dass unsere Schulmappen von der Klassenlehrerin nach Westcomics und Westgeld durchsucht wurden. Meist fand sie bei einigen Schülern etwas und die Sachen wurden ihnen weggenommen. Ob sie dann die Eltern unterrichtete entzieht sich meiner Kenntnis.
Dann starb mein Vater am 9. August 1961 im Pflegeheim an Magenkrebs, und meine Stiefmutter beschloss mit mir zu ihrer Schwester in den Wedding zu flüchten, weil sie in Ostberlin keine Rente zu erwarten hatte.
Ich kam an diesem Tag von einem Ferienaufenthalt auf Rügen an der Ostsee wieder, konnte aber erst am nächsten Tag zu meinem Vater, als er bereits tot war. Sein Tod betrübte mich sehr, hatte ich ihn doch über alles geliebt.
In den nächsten zwei Tagen ging alles sehr schnell. Wir zogen uns mitten im heißen Sommer drei bis vier Sachen übereinander an und fuhren von der Schönhauser Allee zwei Stationen weiter bis zum S-Bahnhof Wedding.
Das letzte Mal half mir Linda,meine Schwester, noch dabei. Wir rannten den Zug entlang mit ihrem halb- jährigen Sohn im Kinderwagen bis zum Abteil für Mutter und Kind. Er musste in seinem Wagen sitzen, weil hinter ihm ein dickes Kopfkissen steckte. Danach sah ich sie für lange Zeit nicht mehr. Meinen Koffer aus Gören auf Rügen holte auch niemand ab, denn vom 13.08.1961an trennte die Mauer Berlin in zwei Teile.
Für mich war das doppelt schrecklich, verlor ich doch meinen Vater gleichzeitig mit Linda und ihrer Familie, die nicht mehr rechtzeitig nach West-Berlin flüchten konnte.
Eine tiefe, schwarze Traurigkeit erdrückte mich für Monate, aber weinen durfte ich nicht, denn meine Stiefmutter schimpfte auf meinen Vater, den sie kurz vor seinem Tod zum zweiten Mal nur heiratete, damit ich als eheliches Kind erklärt werden konnte. Er vererbte ihr sein altes Mobiljahr dafür. Die 10 000 DM Sparvermögen bekamen Linda und ich je zur Hälfte. Vorher bat er sie inständig: „ Beeile dich mit den Formalitäten, sonst schaffe ich es nicht mehr."
Mein Start in den Westen vollzog sich also sehr schwierig. Ich hatte zwar die Unfreiheit hinter mir gelassen, verlor aber gleichzeitig das Liebste was ich besaß: meinen Vater, Linda und die Schwester meines Vaters. Meine Tante arbeitete ihr Leben lang als Krankenschwester in der Charité. Beide sah ich erst nach Jahren wieder. Diese Teilung ging direkt durch mein Herz. Deutlich spürte ich den Schmerz der anderen getrennten Familien, die sich rechts und links der Mauer nur von weitem zuwinken konnten. Es war eine grausame Zerrissenheit.
Inzwischen besuchte ich das Bertha von Suttner Gymnasium, denn wir blieben nur kurze Zeit im Zimmer meines Vaters, der damals bei der Schwester meiner Stiefmutter wohnte und zogen bald darauf in eine eigene Wohnung nach Reinickendorf. Ich hörte von einem Schüler der 11. oder 12. Klasse, der sein Leben verlor, als er seiner Mutter zur Flucht über den Stacheldrahtzaun verhelfen wollte. In den nächsten Monaten schrieben die Zeitungen ständig über ähnlich tragische Fluchtversuche. Mal glückten sie, dann war die Freude darüber groß, aber sehr oft endete eine Flucht tödlich, wenn sich z.B. Menschen aus den Fenstern der Bernauerstraße abseilten und kein rettendes Sprungtuch auf der Straße im Westteil sie auffing.
In der Schule in Ost-Berlin hatte ich als letztes das Lied der Moorsoldaten eines ehemaligen KZ´s gelernt. Ich dichtete es um:" Wir sind die KZ-Soldaten und ziehen mit den Spaten zur Mauer hin." Mir erschien die ganze DDR wie ein riesig großes KZ. Die Einwohner waren die Häftlinge, aber auch West-Berlin wurde eingemauert.Man verhinderte so, dass sich Ost- und Westbürger besuchen konnten.
Es sollte fast dreißig Jahre dauern bis diese unmenschliche Teilung ein Ende fand. Oft hatte ich fast jede Hoffnung auf eine Wiedervereinigung aufgegeben. So aussichtslos schien die politische Situation zu sein. J.F. Kennedy kam nach Berlin, sah die Mauer und rief die historischen Worte: „ Ich bin ein Berliner!“
Ändern konnte er trotzdem nichts, obwohl wir alle sehr auf Unterstützung aus Amerika hofften, doch weder die Sowjetunion noch die Westmächte wollten einen dritten Weltkrieg riskieren.
Einige Jahre später sollte sich die politische Lage noch gewaltig zuspitzen. Ich flüchtete mit meinen zwei kleinen Kindern nach Afrika, denn auf beiden Seiten der Mauer wurden Atomsprengköpfe aufgestellt. Beide Supermächte „rasselten“ mit ihren Atomwaffen. Es grenzt an ein großes Wunder, dass der dritte Weltkrieg ausblieb. Jedoch kaum im Sudan angekommen, fielen dort Bomben auf unschuldige Menschen! Man wollte die Fernsehstation treffen, aber sie schlugen in Wohnhäuser ein und trafen Menschen, die am Nil gerade ihre Autos wuschen. Wer die Bomben abwarf, kam nie heraus, aber davon berichte ich später ausführlicher.
Vorerst lebte ich noch in Reinickendorf und ging aufs Gymnasium. Mich wunderte damals sehr, es war das Jahr 1963, in dem das Attentat auf J.F.K. verübt wurde, dass kein Lehrer darüber auch nur ein einziges Wort verlor, obwohl wir alle sehr betroffen und still schweigend auf unseren Stühlen hockten.
Bevor ich an diesem Tag in die Schule ging, hatte ich von dieser Tragödie in der Berliner Morgenpost gelesen. Auch mich hatte J.F.K.´s weltoffene und charismatische Ausstrahlung in den Bann gezogen und seine stark anziehende Wirkung hinterlassen.
Darum schockierte mich die traurige Nachricht richtig heftig, doch nicht nur mich, sondern viele Berliner und andere Menschen weltweit, vor allem weil das so plötzlich und unverhofft geschah. Bis heute blieb ungeklärt ob Lee Harvey Oswald der alleinige Täter war und wer den Auftrag gegeben hatte. Einige Zeichen deuten darauf hin, dass mindestens ein Komplize beteiligt war von den Richtungen der abgegebenen Schüsse ausgehend, die J.F.K. trafen.
Wer zog eigentlich Nutzen daraus?
Als ich in Ost-Berlin zur Grundschule ging, war mein Leben zweigeteilt. In der Schule trug ich ein blaues Halstuch und führte eine Strichliste, welche anderen Schüler es auch umbanden. Diese Aufgabe erfüllte ich mit Widerwillen, denn sobald ich zuhause ankam, flog das Stück Stoff in die hinterste Ecke. Unsere Familie war westlich orientiert, wir sahen im Fernsehen regelmäßig das Westprogramm. Mein Vater wohnte zu dieser Zeit nicht mehr im Fichtelgebirge, sondern er zog zur Schwester meiner Stiefmutter in den Wedding nach West-Berlin.
Privat standen wir also dem Westen näher als dem Ost-Regime, dass sich meiner Meinung nach viel zu sehr in unser Leben einmischte. Unfreiheit und Bespitzelungen, die schon während der Schulzeit stattfanden, bedrückten mich stark. Es kam zum Beispiel häufig vor, dass unsere Schulmappen von der Klassenlehrerin nach Westcomics und Westgeld durchsucht wurden. Meist fand sie bei einigen Schülern etwas und die Sachen wurden ihnen weggenommen. Ob sie dann die Eltern unterrichtete entzieht sich meiner Kenntnis.
Dann starb mein Vater am 9. August 1961 im Pflegeheim an Magenkrebs, und meine Stiefmutter beschloss mit mir zu ihrer Schwester in den Wedding zu flüchten, weil sie in Ostberlin keine Rente zu erwarten hatte.
Ich kam an diesem Tag von einem Ferienaufenthalt auf Rügen an der Ostsee wieder, konnte aber erst am nächsten Tag zu meinem Vater, als er bereits tot war. Sein Tod betrübte mich sehr, hatte ich ihn doch über alles geliebt.
In den nächsten zwei Tagen ging alles sehr schnell. Wir zogen uns mitten im heißen Sommer drei bis vier Sachen übereinander an und fuhren von der Schönhauser Allee zwei Stationen weiter bis zum S-Bahnhof Wedding.
Das letzte Mal half mir Linda,meine Schwester, noch dabei. Wir rannten den Zug entlang mit ihrem halb- jährigen Sohn im Kinderwagen bis zum Abteil für Mutter und Kind. Er musste in seinem Wagen sitzen, weil hinter ihm ein dickes Kopfkissen steckte. Danach sah ich sie für lange Zeit nicht mehr. Meinen Koffer aus Gören auf Rügen holte auch niemand ab, denn vom 13.08.1961an trennte die Mauer Berlin in zwei Teile.
Für mich war das doppelt schrecklich, verlor ich doch meinen Vater gleichzeitig mit Linda und ihrer Familie, die nicht mehr rechtzeitig nach West-Berlin flüchten konnte.
Eine tiefe, schwarze Traurigkeit erdrückte mich für Monate, aber weinen durfte ich nicht, denn meine Stiefmutter schimpfte auf meinen Vater, den sie kurz vor seinem Tod zum zweiten Mal nur heiratete, damit ich als eheliches Kind erklärt werden konnte. Er vererbte ihr sein altes Mobiljahr dafür. Die 10 000 DM Sparvermögen bekamen Linda und ich je zur Hälfte. Vorher bat er sie inständig: „ Beeile dich mit den Formalitäten, sonst schaffe ich es nicht mehr."
Mein Start in den Westen vollzog sich also sehr schwierig. Ich hatte zwar die Unfreiheit hinter mir gelassen, verlor aber gleichzeitig das Liebste was ich besaß: meinen Vater, Linda und die Schwester meines Vaters. Meine Tante arbeitete ihr Leben lang als Krankenschwester in der Charité. Beide sah ich erst nach Jahren wieder. Diese Teilung ging direkt durch mein Herz. Deutlich spürte ich den Schmerz der anderen getrennten Familien, die sich rechts und links der Mauer nur von weitem zuwinken konnten. Es war eine grausame Zerrissenheit.
Inzwischen besuchte ich das Bertha von Suttner Gymnasium, denn wir blieben nur kurze Zeit im Zimmer meines Vaters, der damals bei der Schwester meiner Stiefmutter wohnte und zogen bald darauf in eine eigene Wohnung nach Reinickendorf. Ich hörte von einem Schüler der 11. oder 12. Klasse, der sein Leben verlor, als er seiner Mutter zur Flucht über den Stacheldrahtzaun verhelfen wollte. In den nächsten Monaten schrieben die Zeitungen ständig über ähnlich tragische Fluchtversuche. Mal glückten sie, dann war die Freude darüber groß, aber sehr oft endete eine Flucht tödlich, wenn sich z.B. Menschen aus den Fenstern der Bernauerstraße abseilten und kein rettendes Sprungtuch auf der Straße im Westteil sie auffing.
In der Schule in Ost-Berlin hatte ich als letztes das Lied der Moorsoldaten eines ehemaligen KZ´s gelernt. Ich dichtete es um:" Wir sind die KZ-Soldaten und ziehen mit den Spaten zur Mauer hin." Mir erschien die ganze DDR wie ein riesig großes KZ. Die Einwohner waren die Häftlinge, aber auch West-Berlin wurde eingemauert.Man verhinderte so, dass sich Ost- und Westbürger besuchen konnten.
Es sollte fast dreißig Jahre dauern bis diese unmenschliche Teilung ein Ende fand. Oft hatte ich fast jede Hoffnung auf eine Wiedervereinigung aufgegeben. So aussichtslos schien die politische Situation zu sein. J.F. Kennedy kam nach Berlin, sah die Mauer und rief die historischen Worte: „ Ich bin ein Berliner!“
Ändern konnte er trotzdem nichts, obwohl wir alle sehr auf Unterstützung aus Amerika hofften, doch weder die Sowjetunion noch die Westmächte wollten einen dritten Weltkrieg riskieren.
Einige Jahre später sollte sich die politische Lage noch gewaltig zuspitzen. Ich flüchtete mit meinen zwei kleinen Kindern nach Afrika, denn auf beiden Seiten der Mauer wurden Atomsprengköpfe aufgestellt. Beide Supermächte „rasselten“ mit ihren Atomwaffen. Es grenzt an ein großes Wunder, dass der dritte Weltkrieg ausblieb. Jedoch kaum im Sudan angekommen, fielen dort Bomben auf unschuldige Menschen! Man wollte die Fernsehstation treffen, aber sie schlugen in Wohnhäuser ein und trafen Menschen, die am Nil gerade ihre Autos wuschen. Wer die Bomben abwarf, kam nie heraus, aber davon berichte ich später ausführlicher.
Vorerst lebte ich noch in Reinickendorf und ging aufs Gymnasium. Mich wunderte damals sehr, es war das Jahr 1963, in dem das Attentat auf J.F.K. verübt wurde, dass kein Lehrer darüber auch nur ein einziges Wort verlor, obwohl wir alle sehr betroffen und still schweigend auf unseren Stühlen hockten.
Bevor ich an diesem Tag in die Schule ging, hatte ich von dieser Tragödie in der Berliner Morgenpost gelesen. Auch mich hatte J.F.K.´s weltoffene und charismatische Ausstrahlung in den Bann gezogen und seine stark anziehende Wirkung hinterlassen.
Darum schockierte mich die traurige Nachricht richtig heftig, doch nicht nur mich, sondern viele Berliner und andere Menschen weltweit, vor allem weil das so plötzlich und unverhofft geschah. Bis heute blieb ungeklärt ob Lee Harvey Oswald der alleinige Täter war und wer den Auftrag gegeben hatte. Einige Zeichen deuten darauf hin, dass mindestens ein Komplize beteiligt war von den Richtungen der abgegebenen Schüsse ausgehend, die J.F.K. trafen.
Wer zog eigentlich Nutzen daraus?
Freitag, 1. Juli 2016
Wie alles anfing (aufgezeichnet am 10.02.2012)
Sicherlich gibt es ungewöhnlichere Erlebnisse, aber darum geht es mir nicht unbedingt. Sondern die Erkenntnis, dass unsere Welt nicht nur aus puren Zufällen besteht, nahm im Laufe meines Lebens immer mehr Gestalt an. Es gab z.B. Geschehnisse, die ich mir nur mit meinem puren Menschenverstand bis heute nicht erklären kann.
Zum Beispiel in der ersten Woche nach meiner Geburt konnte ich nichts trinken, und meine Mutter flößte mir Milch mit einem Teelöffel ein. Mein Zustand war so bedenklich, dass mich meine Mutter nottaufen ließ, weil sie dachte, ich würde sterben. Von meinem Vater konnte sie keine Hilfe erwarten, denn er hatte sich gerade von ihr zurückgezogen. Diese Situation zu verkraften, war für sie bestimmt nicht leicht. Nach meiner Taufe erholte ich mich Gott sei Dank anscheinend von meinem Geburtsschock und fing an, ganz normal zu trinken. Mein Vater erkannte die Vaterschaft an und adoptierte mich daraufhin.
Der nächste gravierende Einschnitt in meinem Leben geschah kurz danach, denn als meine Schwester Linda, sie ist ein Kind aus der ersten Ehe meines Vaters, ihn von Berlin aus im Fichtelgebirge während ihrer Sommerferien besuchte, erfuhr sie das erste Mal von meiner Existenz.
Zu dieser Zeit lebte sie mit ihrer Mutter im Prenzlauer Berg in Berlin und wollte, wie schon so oft, die Ferien bei ihrem Vater in Kirchenlamitz verbringen.
Natürlich überraschte sie dieses Ereignis sehr, denn am Ende der Ferien verfrachtete mich mein Vater einfach mit ins Auto, und wir fuhren über Umwege nach Berlin. Viele Straßen nach Berlin wurden nach dem Krieg gesperrt, . Das geschah 1949 im August, und ich war damals gerade mal fünf Monate alt. Als ich jetzt, nach 60 Jahren durch Linda davon erfuhr, überlegte ich, wie mich diese gravierende Trennung von meiner leiblichen Mutter wohl unbewusst mein ganzes Leben beeinflusst haben könnte?
Blieb ich wohl aus diesem Grund ein ewiger Zugvogel, immer auf der Suche nach meinen Wurzeln? Dieses Nomadenleben könnte natürlich auch andere Ursachen haben.Aber vielleicht verlor ich damals als Baby mein Urvertrauen, oder ist der Grund meines rastlosen Lebens darin zu suchen, dass ich immer glaubte, der Rasen nebenan sei grüner? Wahrscheinlich gibt es dafür mehrere Gründe. Das ist jetzt, nach so langer Zeit, nicht mehr feststellbar. Auf jeden Fall konnte ich nirgends so richtige Wurzeln schlagen und wechselte ganz oft nicht nur die Wohnungen an einem Ort, sondern auch Städte und Länder.
Ein Zeugnis unserer Zeit zu geben, gegen das Vergessen, bleibt mir sehr wichtig. So verstehe ich diesen Bericht. Außerdem besteht im Schreiben die Möglichkeit, sich kreativ zu verhalten. Ich betrachte es als ein Handeln gegen unser ständiges konsumieren. Wir nehmen viel mehr auf, als wir von uns abgeben können. Das ist auf die Dauer nicht gut, weil es uns in eine geistige Passivität hineinmanövriert. Ob wir diese Lebensweise von Amerika übernommen haben, ist zu überlegen.
Was sind nun meine ersten Kindheitserinnerungen?
An die Vorschulzeit erinnere ich mich nur noch vage, z.B. dass sich meine Schwester mit ihren Freundinnen über die Frisur, die mir meine Stiefmutter verpasste, lustig machten. Als Frisörmeisterin wollte sich mich herausputzen und so legte sie mir einen Teil der Haare, zu einer Rolle gewickelt, mitten auf den Kopf, befestigt durch eine große Schleife. Die anderen bogen sich vor lachen, weil ich angeblich „eine Sch…wurst“ auf dem Kopf trug. Es versteht sich von selbst, dass ich diese Frisur nicht mehr tragen wollte. Das ereignete sich auf unserem Feriengrundstück nördlich von Berlin. Wenn ich mich aber in der Hängematte schaukelte oder durch den riesigen, naturbelassenen Garten streifte, erlebte ich wunderbar interessante und erholsame Stunden. Eines Tages war es auf einmal mit der Ruhe vorbei: ich suchte nahe am Waldrand nach Blaubeeren da streifte in etwa fünf Metern Entfernung ein ausgewachsenes Wildschwein durchs Gehölz, mit der Schnauze am Boden, nach einer Fährte schnüffelnd. Ich stand wie zu Stein erstarrt und traute mich kaum zu atmen! Der Koloß verschwand genauso schnell und unerwartet, wie er auftauchte, wieder im dichten Gebüsch. In diesem Moment rannte ich los, rein in unseren Garten, die Tür hinter mir zugeknallt und ab ins Gartenhaus, war eins. Mit einem Knall viel die Laubentür ins Schloss. Mein Herz raste noch immer. Erst hier fühlte ich mich richtig sicher. Das Dumme an der Sache war nur, als ich abends erzählte: „ Mir ist heute Mittag beim Blaubeerenessen ein Wildschwein begegnet!“ da glaubte es mir niemand. Hatten doch sogar die Nachbarn davon berichtet: „ Heut Abend standen sie wieder am Zaun und haben nach Futter gebettelt.“ Meine Familie behauptete aber steif und fest: „ Das war bestimmt bloß ein Hund.“
Als ob ich mit fünf Jahren keinen Hund von einem Wildschwein hätte unterscheiden können!
Ich war schwer gekränkt, aber auch heilfroh, dass meine Begegnung mit dem wilden Schwein so glimpflich ablief. Aber so ist das halt: da treffe ich schon mal eins auf freier Wildbahn und dann glaubt es mir keiner.
Da war noch etwas, das mich erschreckte: es gab im Dorf eine Herde Gänse, an die ich mich gut erinnern kann. Jedes Mal, wenn ich vom Kaufmann alleine etwas holen sollte, gingen sie zischend und laut schnatternd mit weit vorgestreckten Hälsen auf mich los, bis ich auf die Idee kam, mich mit einem Stock zu bewaffnen. Von da an war Ruh und der Spuk glücklicherweise vorbei . Sie zischten und schnatterten zwar immer noch aufgeregt hinter mir her, ansonsten ließen sie mich aber passieren. Mein Stock flößte ihnen gehörigen Respekt ein und ich brauchte mich nicht mehr vor ihnen zu fürchten.
Das genaue Gegenteil erlebte ich im Kindergarten. Dorthin ging ich überhaupt nicht gern, weil die Stärkeren mir einfach mein Spielzeug wegnahmen, oder mich ständig vom Schaukelpferd schupsten, kaum dass ich es auch mal ergattert hatte. Außerdem unternahmen die Kindergärtnerinnen mit uns ausgedehnte Spaziergänge, auf denen uns die Straßenkinder hänselten: „ Kindergarten, Schweinebraten, hat die ganze Welt verraten!“ Solche echt blöden Sprüche mussten wir uns anhören und dann gab es unterwegs noch nicht mal was zu trinken. Das war die reinste Quälerei im Sommer.
Einmal musste ich kurz vor Abmarsch noch mal auf die Toilette, und die Gruppe marschierte einfach los. Wie war ich froh, als ich das bemerkte und nun ungehindert auf dem Schaukelpferd sitzen konnte!
Nur dauerte mein Spaß nicht sehr lange, denn vor der Tür mussten alle durchgezählt worden sein. Eine Erzieherin erschien sofort wutschnaubend und behauptete: „ Du hast dich absichtlich auf der Toilette versteckt!“ Sie drohte mir mit Strafe, sollte das noch einmal vorkommen. Meine gegenteiligen Beteuerungen halfen da nichts. Ich war ganz glücklich, als ich bald darauf eingeschult wurde.
Nur die Geschichte mit der Zuckertüte machte mich hellhörig. Warum lockte man die Kinder mit Naschereien dort hin? Das kam mir äußerst suspekt vor.
Was mir in der Schule wirklich von Anfang an sehr missfiel, war diese schier endlose Stillsitzerei. Lernen an sich fand ich gut. Ich sog den Stoff wie einen Schwamm in mich auf, außer beim Rechnen, mit dem ich immer auf Kriegsfuß stehen sollte, hatte ich kaum Schwierigkeiten. Auch ließ ich andere gern mal abschreiben und mit den Lehrern kam ich ebenfalls ganz gut zurecht. Nur mit unserm Hausmeister bekam ich Streit, weil es verboten war, die Kaninchen im Schulhof aus dem Stall zu nehmen. Ich ließ mich davon nicht abhalten und streichelte sie trotzdem. Natürlich erwischte mich der dicke Kerl in seinem blauen Kittel. Ich rannte weg, er hinter mir her. Ich nahm den Weg über den großen Schulhof, er wetzte durch das Schulgebäude. Als ich ihn kommen sah, versteckte ich mich hinter einem Baum, anstatt weiter durch das Schultor zu rennen. Er schleppte mich triumphierend ins Sekretariat, wo ich mir meine Strafarbeit abholen durfte.
An einem Wochenende wollte ich mal mit einer Freundin nachschauen, wo dieser Hausmeister eigentlich wohnt. Leise stiegen wir die Vordertreppe des Schulhauses hinauf, aber anscheinend nicht leise genug, denn plötzlich erscholl vom 4. Stock seine laute Stimme: „WER DA?“ und wir sahen, wie er sich mit einem Gewehr über das Geländer beugte. Wir stürmten total erschrocken die Stufen hinunter. Übrigens lernten wir auch das Schießen auf Zielscheiben im Schulhof. Es waren die letzten Jahre vor dem Mauerbau.
Einen Schulkameraden mochte ich überhaupt nicht. Als er eines Tages meiner Freundin Maria den Arm auf den Rücken drehte und sie vor Schmerz wimmerte, warf ich ihm eine saftige Birne, in die ich eben mit großem Appetit biss, an den Kopf. Er ließ sie sofort los, drohte mir aber: „Na warte, wenn du aus der Schule kommst, dann setzt es was!“ Vor lauter Angst steigert ich mich in eine Hyperventilation hinein, denn täglich erlebten wir nach der Schule regelrechte Verfolgungsjagden.
Zu Beginn jeder Unterrichtsstunde mussten wir aufstehen und auf das Kommando des Lehrers: „Seid bereit!“ „Immer bereit“ antworten. Durch meine Heulerei und das zu schnelle, panische Atmen verkrampften sich meine Beine. Ich taumelte zur Wand und wieder zurück auf meinen Stuhl. Der Lehrer dachte gleich an Kinderlähmung und lies mich von zwei kräftigen Schülern ins Sekretariat tragen. Dort alarmierte die Sekretärin die Ambulanz und ich kam direkt von der Schule ins Krankenhaus. „Auf jeden Fall bekomme ich so keine Schläge,“ dachte ich und spürte wie sich meine Verkrampfung löste, behauptete aber weiterhin: „Ich kann die Beine nicht bewegen!“ Immer noch fürchtete ich den Nachhauseweg und dachte mir: „So entgehst du der Prügel am besten“. Ich bekam Injektionen und eine Rückenmarkspunktion, doch eines Tages flog der Schwindel auf, als mich eine Schwester ganz normal über den Flur zur Toilette laufen sah.
Im Krankenhaus hatte sich ein Junge aus dem Nachbarzimmer in mich verliebt, und ich wollte doch nicht an ihm vorbeihumpeln . Er wohnte in der Husemannstraße. Ich klingelte mal an seiner Haustür. „Ist Klaus da?“ Der Mutter erzählte ich, dass ich die Hausaufgaben brauchte. Aber er war gar nicht daheim. Als er dann mich besuchen kam, schämte ich mich vor meiner Mutter, obwohl meine Schwester Linda mir anbot: "Du kannst selbst entscheiden, ob du runtergehst.“ Ich ging nicht. Damit endete unsere Freundschaft schneller als gedacht.
Auch die Geschichte mit der Blinddarmoperation verlief ähnlich. Bei einer Lehrerin sollten wir plötzlich mit Händen auf dem Rücken sitzen, was ich total abartig fand. Ich weigerte mich, und sie stellte mich dafür prompt vor die Türe. Diese Behandlung empfand ich wiederum als echt gemein und mir liefen die Tränen herunter. „Warum heulst du denn?“ fragte sie. „Mir tut der Bauch weh“ beklagte ich mich. Daraufhin schickte sie mich sofort nach hause. Hier, früher als gewöhnlich angekommen, erzählte ich die gleiche Geschichte. Sofort ging es ab ins Krankenhaus. Die Ärzte in der Poliklinik tippten auf eine Blinddarmentzündung und ehe ich mich versah, lag ich auch schon auf dem OP-Tisch, wurde festgeschnallt und bekam für die Äthernarkose eine Maske über die Nase gestülpt. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät, um mit der Wahrheit herauszurücken. Ich schrie nur noch so laut ich konnte: „Hilfe, Polizei!“ Sie tropften als Antwort jedoch nur noch mehr Äther auf mich drauf. Pech gehabt, denn der Blinddarm war danach raus und nun hatte ich wirklich Bauchschmerzen. Damals gab es noch die Methode, dass nach der OP ein Sandsack auf den Bauch gelegt wurde. Wozu das gut sein sollte, weiß ich bis heute nicht. Die Schmerzen ließen dadurch jedenfalls nicht nach. Von da an beschloss ich lieber, bei der Wahrheit zu bleiben.
Sicherlich gibt es ungewöhnlichere Erlebnisse, aber darum geht es mir nicht unbedingt. Sondern die Erkenntnis, dass unsere Welt nicht nur aus puren Zufällen besteht, nahm im Laufe meines Lebens immer mehr Gestalt an. Es gab z.B. Geschehnisse, die ich mir nur mit meinem puren Menschenverstand bis heute nicht erklären kann.
Zum Beispiel in der ersten Woche nach meiner Geburt konnte ich nichts trinken, und meine Mutter flößte mir Milch mit einem Teelöffel ein. Mein Zustand war so bedenklich, dass mich meine Mutter nottaufen ließ, weil sie dachte, ich würde sterben. Von meinem Vater konnte sie keine Hilfe erwarten, denn er hatte sich gerade von ihr zurückgezogen. Diese Situation zu verkraften, war für sie bestimmt nicht leicht. Nach meiner Taufe erholte ich mich Gott sei Dank anscheinend von meinem Geburtsschock und fing an, ganz normal zu trinken. Mein Vater erkannte die Vaterschaft an und adoptierte mich daraufhin.
Der nächste gravierende Einschnitt in meinem Leben geschah kurz danach, denn als meine Schwester Linda, sie ist ein Kind aus der ersten Ehe meines Vaters, ihn von Berlin aus im Fichtelgebirge während ihrer Sommerferien besuchte, erfuhr sie das erste Mal von meiner Existenz.
Zu dieser Zeit lebte sie mit ihrer Mutter im Prenzlauer Berg in Berlin und wollte, wie schon so oft, die Ferien bei ihrem Vater in Kirchenlamitz verbringen.
Natürlich überraschte sie dieses Ereignis sehr, denn am Ende der Ferien verfrachtete mich mein Vater einfach mit ins Auto, und wir fuhren über Umwege nach Berlin. Viele Straßen nach Berlin wurden nach dem Krieg gesperrt, . Das geschah 1949 im August, und ich war damals gerade mal fünf Monate alt. Als ich jetzt, nach 60 Jahren durch Linda davon erfuhr, überlegte ich, wie mich diese gravierende Trennung von meiner leiblichen Mutter wohl unbewusst mein ganzes Leben beeinflusst haben könnte?
Blieb ich wohl aus diesem Grund ein ewiger Zugvogel, immer auf der Suche nach meinen Wurzeln? Dieses Nomadenleben könnte natürlich auch andere Ursachen haben.Aber vielleicht verlor ich damals als Baby mein Urvertrauen, oder ist der Grund meines rastlosen Lebens darin zu suchen, dass ich immer glaubte, der Rasen nebenan sei grüner? Wahrscheinlich gibt es dafür mehrere Gründe. Das ist jetzt, nach so langer Zeit, nicht mehr feststellbar. Auf jeden Fall konnte ich nirgends so richtige Wurzeln schlagen und wechselte ganz oft nicht nur die Wohnungen an einem Ort, sondern auch Städte und Länder.
Ein Zeugnis unserer Zeit zu geben, gegen das Vergessen, bleibt mir sehr wichtig. So verstehe ich diesen Bericht. Außerdem besteht im Schreiben die Möglichkeit, sich kreativ zu verhalten. Ich betrachte es als ein Handeln gegen unser ständiges konsumieren. Wir nehmen viel mehr auf, als wir von uns abgeben können. Das ist auf die Dauer nicht gut, weil es uns in eine geistige Passivität hineinmanövriert. Ob wir diese Lebensweise von Amerika übernommen haben, ist zu überlegen.
Was sind nun meine ersten Kindheitserinnerungen?
An die Vorschulzeit erinnere ich mich nur noch vage, z.B. dass sich meine Schwester mit ihren Freundinnen über die Frisur, die mir meine Stiefmutter verpasste, lustig machten. Als Frisörmeisterin wollte sich mich herausputzen und so legte sie mir einen Teil der Haare, zu einer Rolle gewickelt, mitten auf den Kopf, befestigt durch eine große Schleife. Die anderen bogen sich vor lachen, weil ich angeblich „eine Sch…wurst“ auf dem Kopf trug. Es versteht sich von selbst, dass ich diese Frisur nicht mehr tragen wollte. Das ereignete sich auf unserem Feriengrundstück nördlich von Berlin. Wenn ich mich aber in der Hängematte schaukelte oder durch den riesigen, naturbelassenen Garten streifte, erlebte ich wunderbar interessante und erholsame Stunden. Eines Tages war es auf einmal mit der Ruhe vorbei: ich suchte nahe am Waldrand nach Blaubeeren da streifte in etwa fünf Metern Entfernung ein ausgewachsenes Wildschwein durchs Gehölz, mit der Schnauze am Boden, nach einer Fährte schnüffelnd. Ich stand wie zu Stein erstarrt und traute mich kaum zu atmen! Der Koloß verschwand genauso schnell und unerwartet, wie er auftauchte, wieder im dichten Gebüsch. In diesem Moment rannte ich los, rein in unseren Garten, die Tür hinter mir zugeknallt und ab ins Gartenhaus, war eins. Mit einem Knall viel die Laubentür ins Schloss. Mein Herz raste noch immer. Erst hier fühlte ich mich richtig sicher. Das Dumme an der Sache war nur, als ich abends erzählte: „ Mir ist heute Mittag beim Blaubeerenessen ein Wildschwein begegnet!“ da glaubte es mir niemand. Hatten doch sogar die Nachbarn davon berichtet: „ Heut Abend standen sie wieder am Zaun und haben nach Futter gebettelt.“ Meine Familie behauptete aber steif und fest: „ Das war bestimmt bloß ein Hund.“
Als ob ich mit fünf Jahren keinen Hund von einem Wildschwein hätte unterscheiden können!
Ich war schwer gekränkt, aber auch heilfroh, dass meine Begegnung mit dem wilden Schwein so glimpflich ablief. Aber so ist das halt: da treffe ich schon mal eins auf freier Wildbahn und dann glaubt es mir keiner.
Da war noch etwas, das mich erschreckte: es gab im Dorf eine Herde Gänse, an die ich mich gut erinnern kann. Jedes Mal, wenn ich vom Kaufmann alleine etwas holen sollte, gingen sie zischend und laut schnatternd mit weit vorgestreckten Hälsen auf mich los, bis ich auf die Idee kam, mich mit einem Stock zu bewaffnen. Von da an war Ruh und der Spuk glücklicherweise vorbei . Sie zischten und schnatterten zwar immer noch aufgeregt hinter mir her, ansonsten ließen sie mich aber passieren. Mein Stock flößte ihnen gehörigen Respekt ein und ich brauchte mich nicht mehr vor ihnen zu fürchten.
Das genaue Gegenteil erlebte ich im Kindergarten. Dorthin ging ich überhaupt nicht gern, weil die Stärkeren mir einfach mein Spielzeug wegnahmen, oder mich ständig vom Schaukelpferd schupsten, kaum dass ich es auch mal ergattert hatte. Außerdem unternahmen die Kindergärtnerinnen mit uns ausgedehnte Spaziergänge, auf denen uns die Straßenkinder hänselten: „ Kindergarten, Schweinebraten, hat die ganze Welt verraten!“ Solche echt blöden Sprüche mussten wir uns anhören und dann gab es unterwegs noch nicht mal was zu trinken. Das war die reinste Quälerei im Sommer.
Einmal musste ich kurz vor Abmarsch noch mal auf die Toilette, und die Gruppe marschierte einfach los. Wie war ich froh, als ich das bemerkte und nun ungehindert auf dem Schaukelpferd sitzen konnte!
Nur dauerte mein Spaß nicht sehr lange, denn vor der Tür mussten alle durchgezählt worden sein. Eine Erzieherin erschien sofort wutschnaubend und behauptete: „ Du hast dich absichtlich auf der Toilette versteckt!“ Sie drohte mir mit Strafe, sollte das noch einmal vorkommen. Meine gegenteiligen Beteuerungen halfen da nichts. Ich war ganz glücklich, als ich bald darauf eingeschult wurde.
Nur die Geschichte mit der Zuckertüte machte mich hellhörig. Warum lockte man die Kinder mit Naschereien dort hin? Das kam mir äußerst suspekt vor.
Was mir in der Schule wirklich von Anfang an sehr missfiel, war diese schier endlose Stillsitzerei. Lernen an sich fand ich gut. Ich sog den Stoff wie einen Schwamm in mich auf, außer beim Rechnen, mit dem ich immer auf Kriegsfuß stehen sollte, hatte ich kaum Schwierigkeiten. Auch ließ ich andere gern mal abschreiben und mit den Lehrern kam ich ebenfalls ganz gut zurecht. Nur mit unserm Hausmeister bekam ich Streit, weil es verboten war, die Kaninchen im Schulhof aus dem Stall zu nehmen. Ich ließ mich davon nicht abhalten und streichelte sie trotzdem. Natürlich erwischte mich der dicke Kerl in seinem blauen Kittel. Ich rannte weg, er hinter mir her. Ich nahm den Weg über den großen Schulhof, er wetzte durch das Schulgebäude. Als ich ihn kommen sah, versteckte ich mich hinter einem Baum, anstatt weiter durch das Schultor zu rennen. Er schleppte mich triumphierend ins Sekretariat, wo ich mir meine Strafarbeit abholen durfte.
An einem Wochenende wollte ich mal mit einer Freundin nachschauen, wo dieser Hausmeister eigentlich wohnt. Leise stiegen wir die Vordertreppe des Schulhauses hinauf, aber anscheinend nicht leise genug, denn plötzlich erscholl vom 4. Stock seine laute Stimme: „WER DA?“ und wir sahen, wie er sich mit einem Gewehr über das Geländer beugte. Wir stürmten total erschrocken die Stufen hinunter. Übrigens lernten wir auch das Schießen auf Zielscheiben im Schulhof. Es waren die letzten Jahre vor dem Mauerbau.
Einen Schulkameraden mochte ich überhaupt nicht. Als er eines Tages meiner Freundin Maria den Arm auf den Rücken drehte und sie vor Schmerz wimmerte, warf ich ihm eine saftige Birne, in die ich eben mit großem Appetit biss, an den Kopf. Er ließ sie sofort los, drohte mir aber: „Na warte, wenn du aus der Schule kommst, dann setzt es was!“ Vor lauter Angst steigert ich mich in eine Hyperventilation hinein, denn täglich erlebten wir nach der Schule regelrechte Verfolgungsjagden.
Zu Beginn jeder Unterrichtsstunde mussten wir aufstehen und auf das Kommando des Lehrers: „Seid bereit!“ „Immer bereit“ antworten. Durch meine Heulerei und das zu schnelle, panische Atmen verkrampften sich meine Beine. Ich taumelte zur Wand und wieder zurück auf meinen Stuhl. Der Lehrer dachte gleich an Kinderlähmung und lies mich von zwei kräftigen Schülern ins Sekretariat tragen. Dort alarmierte die Sekretärin die Ambulanz und ich kam direkt von der Schule ins Krankenhaus. „Auf jeden Fall bekomme ich so keine Schläge,“ dachte ich und spürte wie sich meine Verkrampfung löste, behauptete aber weiterhin: „Ich kann die Beine nicht bewegen!“ Immer noch fürchtete ich den Nachhauseweg und dachte mir: „So entgehst du der Prügel am besten“. Ich bekam Injektionen und eine Rückenmarkspunktion, doch eines Tages flog der Schwindel auf, als mich eine Schwester ganz normal über den Flur zur Toilette laufen sah.
Im Krankenhaus hatte sich ein Junge aus dem Nachbarzimmer in mich verliebt, und ich wollte doch nicht an ihm vorbeihumpeln . Er wohnte in der Husemannstraße. Ich klingelte mal an seiner Haustür. „Ist Klaus da?“ Der Mutter erzählte ich, dass ich die Hausaufgaben brauchte. Aber er war gar nicht daheim. Als er dann mich besuchen kam, schämte ich mich vor meiner Mutter, obwohl meine Schwester Linda mir anbot: "Du kannst selbst entscheiden, ob du runtergehst.“ Ich ging nicht. Damit endete unsere Freundschaft schneller als gedacht.
Auch die Geschichte mit der Blinddarmoperation verlief ähnlich. Bei einer Lehrerin sollten wir plötzlich mit Händen auf dem Rücken sitzen, was ich total abartig fand. Ich weigerte mich, und sie stellte mich dafür prompt vor die Türe. Diese Behandlung empfand ich wiederum als echt gemein und mir liefen die Tränen herunter. „Warum heulst du denn?“ fragte sie. „Mir tut der Bauch weh“ beklagte ich mich. Daraufhin schickte sie mich sofort nach hause. Hier, früher als gewöhnlich angekommen, erzählte ich die gleiche Geschichte. Sofort ging es ab ins Krankenhaus. Die Ärzte in der Poliklinik tippten auf eine Blinddarmentzündung und ehe ich mich versah, lag ich auch schon auf dem OP-Tisch, wurde festgeschnallt und bekam für die Äthernarkose eine Maske über die Nase gestülpt. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät, um mit der Wahrheit herauszurücken. Ich schrie nur noch so laut ich konnte: „Hilfe, Polizei!“ Sie tropften als Antwort jedoch nur noch mehr Äther auf mich drauf. Pech gehabt, denn der Blinddarm war danach raus und nun hatte ich wirklich Bauchschmerzen. Damals gab es noch die Methode, dass nach der OP ein Sandsack auf den Bauch gelegt wurde. Wozu das gut sein sollte, weiß ich bis heute nicht. Die Schmerzen ließen dadurch jedenfalls nicht nach. Von da an beschloss ich lieber, bei der Wahrheit zu bleiben.
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